München, 1/4/2004

An das DSF
Münchener Strasse 101g
85737 Ismaning

 

Betreff: Reichskriegsflaggen im DSF: Die Vorberichterstattung zum Spiel VfB Stuttgart – Werder Bremen am Sonntag, 27/3/04, im Rahmen in der DSF-Sendung „Bundesliga - Der Sonntag“

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

da es mir meine Zeit erlaubte, verfolgte ich am letzten Sonntag o. g. DSF-Sendung in ganzem Umfang. Voller Vorfreude erwartete ich das Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Werder Bremen. So ließ ich sogar die Vorberichterstattung, die ich normalerweise meide (Stichwort Kommerzialisierung des Fußballsports - aber das soll jetzt nicht das Thema sein), über mich ergehen. Was ich dann aber im Rahmen des Coca Cola-Fanmobils sah, war unerträglich und über die Maße schockierend: Thematisiert wurde die Nominierung Timo Hildebrands für das Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen Belgien am Mittwoch, 31/3/04, in Köln. Im Verlauf waren in zwei verschiedenen Szenen jeweils zwei „VfB-Fans“ zu sehen, deren rechtsextreme politische Orientierung niemandem verborgen bleiben konnten. Drei der vier Personen trugen Schals, auf denen deutlich das Eiserne Kreuz und/oder die Reichskriegsflagge erkennbar war, den vierten „zierte“ ein schwarz-weiß-roter „Deutschland-Power“-Schal.

Das öffentliche Zeigen der Reichskriegsflagge ist in einigen Bundesländern (Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland) verboten, in anderen gilt sie unter Umständen (z. B. bei den einschlägigen Kundgebungen) als Gefahr für die öffentliche Ordnung. Auf jeden Fall bleibt aber festzuhalten, dass Flaggen, die in irgendeiner Kombination schwarz-weiß-rot zeigen - insbesondere eben die Reichskriegsflagge, egal in welcher Version -, in den letzten Jahren vermehrt von Rechtsextremen verwendet werden. Dies ist allgemein bekannt.

Das Problem des Rechtsradikalismus in deutschen Fußballstadien besteht fort, und hat sich in den letzten Jahren sogar noch weiter verschärft (vgl. beispielsweise Spiegel online vom 25. März: „Rechte Fußballfans – Ungeheuerliches Totschweigen“). Und das DSF bietet rechtsradikal orientierten „Fans“ eine Plattform, indem diese ihre Schals mit den Symbolen ihrer „Bewegung“ Millionen von fußballinteressierten Menschen an den Fernsehgeräten vorführen dürfen, während sie ein paar Schlachtrufe grölen. Somit trägt das DSF dazu bei, diese Art von „Fan“-„Kultur“ salonfähig zu machen. Ist Rechtsradikalismus in deutschen Fankurven weit verbreitet? Ja! Darf dieses Phänomen als normal hingenommen werden? Nein! Doch es ist genau diese Normalität, die durch solche Fernsehbeiträge suggeriert wird. Eine mögliche Folge: Geht eine Familie mit ihren Kindern ins Fußballstadion, und fragen die Kinder ihre Eltern nach der Bedeutung eben dieser Schals, könnte als Antwort durchaus kommen, dass die schon o.k. seien, schließlich werden die ja auch im Fernsehen gezeigt. Dies kann nicht hingenommen werden.

Der Knackpunkt an der ganzen Geschichte ist ja, dass all diese Bilder unkommentiert blieben. Was wäre das für ein journalistisches Meisterstück geworden, hätten Moderator Frank Buschmann oder Studiogast Willi Lemke adäquat, d. h. in entsprechend scharfer Form auf eben diese Bilder aus dem Fanmobil reagiert, und auf die bestehenden Missstände hingewiesen.

Aber so läuft es halt, wie es in Deutschland immer läuft: Die ganze Sache wird totgeschwiegen, ist ja alles halb so wild. Und irgendwann geht es in irgendeinem Bundesligastadion so zu, wie es in Italien (beispielsweise bei Lazio Rom) schon seit Jahren geschieht: dass nämlich ein kompletter Fanblock den rechten Arm zum Hitlergruß erhebt.

Gerade deshalb erwarte ich vom DSF die Größe, eine Verfehlung in dieser Dimension einzugestehen und vor allem, dies einer ebenso großen Öffentlichkeit kundzutun, am besten in der nächsten Sendung „Bundesliga – Der Sonntag“. Alles andere wäre nicht ausreichend.


Mit freundlichen Grüßen,

 

Antwortschreiben des DSF

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