autor: alteheide 25.03.04

Winter-Sommer II

l 26. Februar: An der Rezeption von Edith’s Guest House, Caye Culker, Belize

Edith erzählt uns, dass sie vor Jahren selbst in Europa unterwegs war, unter anderem auch in München. Als ich frage, wie es ihr dort gefallen hat, äußert sie sich erst einmal gar nicht. Und zwar eine ganze Zeit lang. Dann sagt sie: “Es war schwierig, weil ich die Sprache nicht verstanden habe.“ Liebe, höfliche Edith! Du hättest ruhig sagen können, dass Du München scheiße findest. Geht mir doch genauso.


l Auf Caye Culker und im Internet

Eine karibische Insel, die ziemlich genau meiner Vorstellung von einer karibischen Insel entspricht: türkisgrünblaues Wasser, Palmen, Reggae an der Strandbar, Cuba Libre und unglaublich relaxte Menschen. Ekelhaft. Die relaxten Menschen meine ich. Der Rest war schon o.k.
Das Problem ist das Internetcafé. Da helfen alle Palmen dieser Welt nicht mehr, wenn ich erfahre, dass St. Pauli in der 90. Minute ein Spiel verliert. Und casigordo gleichzeitig irgendwas vom „großen HSV“ sabbelt.


l Am Strand, im Hotel, wo auch immer

Ich lese einen Krimi. Ich hatte nichts mehr anderes, also lese ich jetzt einen Krimi, zum ersten Mal in meinem Leben. Krimis zu lesen ist völlig überflüssig und daher abzulehnen. Kurt Wallander aus Schweden ermittelt. Der Krimi ist spannend; er gefällt mir. Obwohl Krimis lesen ja eigentlich was für Realschüler ist.


l Im Bus, in der Nacht vom 29. Februar auf den 1. März

Wir entscheiden uns für folgende Variante: im 1st Class Bus von Flores zurück nach Guatemala City, über Nacht: Ist ein bisschen teurer, dafür sparen wir uns eine Übernachtung. Und im Luxusbus kann man ja auch gut pennen. Wenn, ja wenn... dieser Bus außer einer Klimaanlage noch etwas hätte, was normale guatemaltekische Busse nicht haben. Zum Beispiel bequeme Sitze oder einigermaßen Platz für die Beine. Oder eine Klimaanlage, die funktioniert. Oder einen Fahrer, der sich der Sensibilität westlicher Touristen bezüglich des drohenden Verlustes des eigenen Lebens bewusst ist, daraus seine Lehren zieht und wenigstens ab und zu darauf verzichtet, in Kurven oder am Berg zu überholen. Doch lamentieren hilft ja auch nichts. Wir sind irgendwann eingeschlafen.


l Die Nacht vom 29. Februar auf den 1. März, zwei Reihen hinter uns

...sitzt casigordo. Und flucht, innerlich. Kurz vor der Abfahrt hat es sich ein Zweieinhalbzentnermann neben ihm bequem gemacht. Der die ganze Nacht schwitzt. Und die halbe Nacht schnarcht. Und anderthalb Plätze einnimmt. Und doch nur für einen Sitzplatz bezahlen muss. Genau wie casigordo.