autor: casigordo 02.02.04

Ometepe Teil II

Eine Stunde und ein ueppiges Mahl spaeter kam dann langsam wieder der Zeitpunkt, aufs Rad zu steigen. Ich fuehlte mich satt und ausgeruht, wenngleich mein Hintern das Gegenteil behauptete. Auf der Karte war ein Weg zu meinem Tagesziel, Playa Santo Domingo, eingezeichnet, dem ich urspruenglich folgen wollte. Sicherheitshalber fragte ich aber nochmal nach. So promt wie die Antwort kam, so schockierend war Sie. Da gibt es keinen Weg, ich muss wieder zurueck auf die Haupschlaglochpiste und den grossen Bogen zur Playa nehmen. Wenig angetan von dieser Information ging es dann also wieder zurueck, angefangen mit 2 km bergauf. Warum haben die da bloss einen weg eingezeichnet? Egal, wat mut dat mut.
Wieder auf der Hauptstrasse, waren die letzten 10 km zu meinem Tagesziel, mal fahrend, mal schiebend, dann relativ schnell bewaeltigt, denn mit neuer Kraft und einem Ziel so dicht vor den Augen faehrt es sich halt besser. Ich checkte im "Hotel Buena Vista" fuer acht Dollar die Nacht ein. Hier gab es zwar kein Essen, dafuer aber Bier, kalt und lecker. Hunger hatte ich sowieso keinen mehr, und so liess ich den Tag und den Abend in der Haengematte ausklingen, mit einem Blick auf den Vulkan Maderas und die Weite des Lago de Nicaragua. Den naechsten Tag wollte ich frueh beginnen, sollte er doch wieder lang und ereignisreich werden. Um 8:00 gab es erstmal ein Bad im See, zum aufwachen gewissermassen. Da die kleine Tienda neben dem Hotel bereits geoeffnet hatte, fragte ich dort nach Fruehstueck. Diesen Tag wollte ich gut gestaerkt beginnen. Ich hatte Glueck, oder wie man's nimmt, denn es gab Gallo Pinto mit Ei und Kaese. Vielleicht werde ich nochmal einen Bericht ueber Gallo Pinto verfassen, dem allgegenwaertigen Alptraum eines jeden Travellers in Central America. Zumindest saettigte es fuer den Anfang. Ich packte danach meine Sachen und zahlte die Rechnung, hatte ich wirklich acht Bier getrunken?
Die Tagestour stand, erstmal 10 km weiter um den Vulkan Maderas herum zum Wasserfall, den ich zuvor schon auf Postkarten gesehen hatte. Danach dann den Weg wieder zurueck, bis an die Hauptstrasse und die letzten fuenf Kilometer bis nach Altagarcia, der Hauptstadt der Insel. Mit Glueck, wenn es nicht zu spaet wird, dann noch mit dem Bus zurueck nach Moyogalpa, um das Rad zurueckzugeben. Nochmal 100 Pesos wollte ich dann doch nicht zahlen, fuer diesen ollen Gebbel.
Ich muss nicht extra erwaehnen, das der Weg nicht besser wurde. In der Ebene, wenn es denn mal eine gab, lief das Rad einigermassen, aber meistens war die Landschaft huegelig. Ich rollte mit voller Bremskraft im Schritttempo bergab und schob mit halber Schrittgeschwindigkeit bergauf. An diesen Stellen liess der Weg auch keine andere Strategie zu. Es ist mir ein Raetsel, wie die hier Busse langschicken koennen. Schnell ging das unterm Strich alles nicht. Wenigstens brannte die Sonne an dieser Stelle der Insel nicht so unertraeglich, weil der Vulkan staendig in eine Wolkendecke gehuellt war, die auch den Weg unten einschloss. Wieder ging es vorbei an kleinen Ortschaften und netten Strandabschnitten, Ochsengespannen und Kuhherden. Es dauerte ungefaehr zwei Stunden, bis ich diese zehn, oder was - weiss - ich - wie - viele Kilometer zuruecklegte und am Cetro Biologico, dem Eingang zum Wasserfall, stand. Das Schild am Eingang ermutigte mich, nur drei Kilometer zu wandern, dann sollte ich schon da sein. Ich zahlte dann die zwei Dollar Eintritt und marschierte los, zum meinem Schrecken ging es dann auch ziemlich schnell ziemlich steil bergauf. Seit ich hier am traveln bin, bin ich schon einige Strecken gewandert , die meisten waren laenger als drei Km, und vor diesen dreien hatte ich eigentlich gedacht, das sie schnell zu bewaeltigen seien. Was ich jedoch nicht bedachte, war, dass Wasserfaelle selten im flachen Land zu bewundern sind. So ging es dann also langsam nach oben, der Schatten wich der brennenden Sonne und das Gallo Pinto in meinem Bauch war schon von der Radtour zuvor verbraucht. Ich tat mich wirklich sehr sehr schwer. Ich hatte nicht nur die ganze Zeit vorher auch nur ansatzweise nicht bedacht, dass ich wuerde bergauf wandern muessen, ich hatte doch tatsaechlich auch geglaubt, es wuerde sich hier um eine Abwandlung eines gemuetlichen Isarspaziergangs am Sonntag Morgen handeln. ...