autor: casigordo 08.10.03

Anreise 02.10.03/03.10.03

Muenchen - La Antigua Guatemala

Obwohl ich kein Freund von Flugreisen bin (ich hasse es zu fliegen),
gestaltete sich die Anreise zu meinem ersten Ziel relativ stressfrei:

Muenchen - London, 5 Std. Wartezeit, weitere 9Std. Flug nach Miami. Nachdem ich dann in Miami am Flughafen wie ein Top -Terrorist behandelt worden bin (wie jeder andere europaeische Fluggast auch), ging's erstmal ins Hotel. Am naechsten Morgen dann weiter nach Guatemala City (ca. 2 Std. Flug). Dort angekommen wurde ich auch gleich abgeholt und ins 50 km entfernte Antigua, direkt zur Spanischschule gebracht.
Die Formalitaeten mit dem Direktor waren schnell erledigt und ich wurde zu
meiner Gastfamilie gebracht, wo ich die naechsten 4 Wochen wohnen sollte. Ich war da, aus dem "alten Europa" in der neuen Welt, und fuehlte mich gleich richtig wohl.

La Antigua Guatemala, eine 30.000 Einwohner Stadt, liegt in einer Hoehe von ca. 1.500 m und ist regelrecht gespickt mit Haeusern und Kirchen im Kolonialstil. Umringt von 3 Vulkanen war Antigua bis ins Jahr 1776 Regierungssitz des damaligen Vizekoenigreichs Guatemala, eine riesige Region, die sich bis nach Costa Rica erstreckte. Heute ist die Stadt ein beliebter Touristenort, vor allem fuer Sprachreisende.

Mein erster Tag in der fremden Welt:
Wie in allen Regionen der Erde, wo die Menschen nicht viel zum Leben
besitzen, so wird auch hier an jeder Ecke alles Moegliche vertickert. Ich befand mich gerade auf Erkundungstour durch die Stadt, als ich von einem dieser Strassendealer angesprochen wurde, ob ich nicht eine Kette kaufen wolle. Ganz klar, ich bin ein Kettentyp, also schaute ich mir die Dinger mal an. Es folgte das obligatorische Handeln und ich erstand die Kette schliesslich fuer 200 Quetzales (ca.25 Dollar), nachdem 300 Quetzales der Anfangspreis waren.
Ich wollte gerade meines Weges gehen, als sich sofort der naechste
Strassendealer an meine Fersen heftete, um mir auch eine Kette anzudrehen. Da ich nun aber schon im Besitz einer Kette bin, wollte ich nicht, .....eigentlich.
Ungluecklicherweise liess sich der Mensch aber nicht abschuetteln und
verfolgte mich 15 min durch die Stadt. Im Gehen zeigte er mir seine komplette Kollektion und redete etwas davon, dass auch er essen muesse. Naja, man kann ja mal schauen und Interesse vortaeuschen. Ein Fehler, denn noch ehe ich mich versah, kaufte ich Ihm weitere 3 Ketten und einen passenden Beutel ab, das ganze zusammen fuer 100 Quetzales.----------Hmmm, Eine Kette fuer 200 und kurz darauf drei Ketten fuer 100, die eigentlich genauso aussehen.
Naja, sei's drum, bin halt ein Kettentyp. 40 Doller in den Sand gesetzt, das
sollte ich schnellstmoeglich abstellen.
Abends dann, als der Aerger ueber diesen Deal verraucht war, beschloss ich zunaechst mal, ins Kino zu gehen. Ein Kino besteht hier aus einer Bar, in der sich eine Leinwand zum ausrollen befindet und eine DVD eingelegt wird.
Kostet aber nix, ausser 10 Quetzales (1 Dollar 20) pro Bier. Ein guter Start in
den Abend, der sich dann auch prima fortsetzte. Nach dem Film ging ich ziel- und planlos umher und landete in einer Musikbar, die voller Einheimischer war. Das Bier wurde jetzt langsam "teurer", hier waren es schon immerhin 13 Quetzales. Egal, die hab ich auch noch ueber.
Es dauerte nicht lang, als ich von ein paar jungen Leuten angesprochen
wurde. Woher kommst Du, was machst Du hier, etc...
Halb in spanisch halb in englisch unterhielten wir uns und das Thema war
sehr schnell: Natuerlich Fussball.
Es war eigentlich keine richtige Unterhaltung, sondern mehr ein benennen von Fussballern, die Ihr Brot in Deutschland verdienen. Oliver Kahn, ... ja,
kenn ich, ist aber ein Idiot ! Michael Ballack, ... ja, ist ein ganz guter,
Bernardo Romeo, .... Romeo, aha, es wurde langsam interessant, Bernigoal, was fuer ein begnadeter Knipser. Jetzt war ich dran: Nascimento, ... keine Reaktion, waaas, Nasci, FC St.Pauli? Hmm, nicht wirklich, nie was vom famosen FC St.Pauli gehoert, sowas!
Das ging dann noch ne Stunde so weiter. Irgendwann wollten die Jungs in die Disco und fragten mich, ob ich nicht mitkommen wolle. Klar wollte ich, also, auf ging's.
30 Quetzales Eintritt, ein Getraenk frei, klingt ganz fair. Die Mukke war
scheisse, Disco Beat und Dancefloor, nicht mein Ding. Egal, mit Bier laesst
sich alles ertragen. Die Preise wurden jetzt langsam "unverschaemt", immerhin schn 20 Quetzales pro Bier. Grosszuegig lud ich Jose, einen meiner neuen Freunde auf ein Bier ein. Ich hab's ja.
Es war ein extrem kurzweiliger Abend, auch weil ich noch Antonella
kennenlernte, mit der ich den ganzen Abend gequatscht habe.
Am naechsten Morgen der obligatorische - zweifelnde Blick ins Portemonaie, das gibt's ja gar nicht. Den ganzen Abend unterwegs und reichlich Bier getrunken, aber dabei nicht mal Geld ausgegeben. Lediglich umgerechnet 25 Dollar war ich aermer, das kenne ich aus Muenchen aber ganz anders.
Ich bin im Paradies gelandet.