22.04.06
VfL Osnabrück – FC St. Pauli 2:0
Stadion an der Bremer Brücke, Osnabrück
autor: alteheide


Das hier ist Fußball

Osnabrück, Bremer Brücke. Ein fester Begriff für mich, seit ich denken kann. Wenn ich mich des „großen“ Fußballs meiner Kindheit entsinne und daran, wie er sich einen festen Platz in meinem Herzen erobert hat, dann fällt mir zuallererst Heute im Stadion auf Bayern 1 in Verbindung mit dem samstäglichen Wannenbad ein. Raus aus dem Wasser ging’s immer erst nach Schlußpfiff, egal wie schrumpelig die Haut schon war. Und ich meine, Osnabrück und sein Stadion wären mir im Zuge dieses Rituals des öfteren begegnet. Da der VfL aber nie 1. Liga gespielt hat, stellt sich die Frage, ob mich meine Erinnerung trügt, oder ob damals in der Sendung auch über die zweite Liga berichtet wurde. (Zum Beispiel in der Zeit, die heute für Werbung, die eingestreuten Instrumentalschleicher und den Oddset-Tip-Kick verramscht wird). Oder ist mir die Bremer Brücke eher deswegen seit einem Vierteljahrhundert präsent, weil es am Sonntag Nachmittag die ZDF-Sportreportage gab?

Sei’s drum. Jedenfalls interessierte mich das Stadion mit dem seltsam anmutenden Namen schon damals. Es hat dann doch etwas länger gedauert, bis ich es endlich in Natura sehen konnte. Meine Erwartungen aber wurden in keinster Weise enttäuscht.

Das Stadion an der Bremer Brücke heißt jetzt anders. Aber das tut nichts zur Sache. Was ich in Osnabrück sah, war Fußball, wie er sein soll. Und ich rede jetzt nicht vom Spiel, denn das war einfach Regionalliga. Ich meine das Gefühl, das ich mit Fußball verbinde: Vor dem Spiel am Bierstand stehen und sich nicht vom Regen die Laune verderben lassen, lustige und doofe Leute sehen und sich nichts dabei denken, mit Fremden ein paar nette Worte wechseln und sofort wieder vergessen, was man gesagt hat; sich im Stadion empören wie man will, Bier trinken und über das Wetter maulen, Tore bejubeln, die außer einem selbst niemand sonst gesehen hat, sich über die üblichen Trümmertypen wundern, alten Leuten beim Plattschnaken zuhören, etc.: einfach gut. Gut, weil an der Bremer Brücke, in diesem in einem Wohnviertel gelegenen, kleinen und engen Stadion mit einer Sitz- und drei Stehplatztribünen und dichter Atmosphäre, geschuldet einem echten Fußballpublikum und gutem Heim- und Auswärtssupport - für mich die Definition eines Stadions - einfach sehr sehr viel zusammenpaßt. So wie eben auch an jenem Samstag im April.

Mir war nach dem Spiel ziemlich egal, daß St. Pauli schlecht spielte und verlor. Weil ich hier, in der Stadt des westfälischen Friedens von 1648, ein kleines bißchen privaten Frieden fand in der Erkenntnis, dass der Fußball, den ich liebe, noch nicht ganz tot ist. Und eines Tages werde ich mich an einem Samstag Nachmittag mal wieder in die Badewanne legen, Heute im Stadion hören und davon träumen, dass alles so wird wie es früher einmal war.

P.S.: Ein großes Dankeschön an die lieben Leute, die mich so überaus freundlich in ihrer Mitte aufgenommen haben; die den Tag erst zu dem großen Vergnügen gemacht haben, der er war. You know who you are.

 

 

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