22.10.05
FC St. Pauli Hamburg – VfL Osnabrück 2:1 (2:1)
Millerntor-Stadion, 16800 Zuschauer
autor: zerstoerer


Das Highlight im ehemaligen Wilhelm-Koch-Stadion ist für mich immer noch der Moment, in dem die Mannschaften zu AC/DC´s Hells Bells den Innenraum betreten. Auch diesmal läuft mir fast wieder ein Schauer über mein gegerbtes Fell, als es so weit ist.

Obwohl sich Hells Bells paradoxer Weise öfter verkauft haben dürfte, als alle Vereinshymnen zusammen, die in deutschen Stadien gespielt werden: Dieser Song unterstreicht für mich nach wie vor den leicht rebellischen, antikommerziellen Touch des FC St. Pauli recht treffend. Eine Hymne für den einfachen Mann, schon allein deswegen, weil sie dem Saubermann zu dreckig ist.
In den meisten anderen Arenen lauft anno 2005 schon längst nur noch schnulziges omnikompatibles Geträller, das nach Jack White oder Ralf Siegel klingt, so weit ich das beurteilen kann. Lieder, die viele Fans nicht hören und schon gar nicht mitsingen möchten.

Als der letzte Ton verklungen ist, lassen sich die beiden Teams erfreulicherweise zu einem bemerkenswerten Kick hinreißen. Zumindest in der ersten Hälfte. Dabei gelingen beiden Teams flüssige Kombinationen. Eine davon führt nach schönem Doppelpass zum 1:0 durch Boll (17.).
Zu diesem Zeitpunkt ist St. Pauli überlegen, lässt sich danach das Heft aber etwas aus der Hand nehmen. So kommt der VfL durch Enochs zum Ausgleich (37.). Die Hamburger zeigen sich allerdings wenig geschockt und gehen postwendend in der 39. Minute durch einen platzierten Schuss von Brückner erneut in Führung, die auch bis zum Ende bestand haben wird.

Zugegebener Maßen nimmt meine Aufmerksamkeit auf Grund der Strapazen der Vornacht und des Vormittags danach rapide ab, weswegen genauere Infos zur zweiten Hälfte, am besten der Kicker-Homepage entnommen werden (der Kollege scheint erst in der Pause gekommen zu sein und ergänzt mich daher perfekt...). Jedenfalls ist das Spiel nach der Pause etwas zerfahren. Klare Chancen sind Mangelware und die Osnabrücker Bemühungen erfolglos.
Ich versuche, mich etwas auf den Osnabrücker Support zu konzentrieren. Da ich aber in der Südkurve direkt neben dem Käfig stehe, in dem vogelgrippe-infizierte Bullen ihre Quarantäne absitzen, bekomme ich von der anderen Seite wenig mit.

Zum St. Pauli-Support. Sooo viele Aktivposten sind es nicht. Langsam aber sicher hinterlässt die Regionalliga Spuren, würde ich mal sagen. Dafür werden die Gesänge allerdings mal von der Gegengerade, mal von der Nordkurve aus initiiert. Und auf Animation ringt man auch der Südkurve und Haupttribüne ein Wort zum Sonntag ab.

So sorgt lediglich der libero noch für Aufregung – oder war das schon in Halbzeit eins? – als er sich an der Wurstbude auf die Pappunterlage seiner Schinkenwurst die Füllung mehrerer Senfbehältnisse, einen einfach so unglaublichen Senfberg, auftürmt, sich in Richtung Block aus dem Staub macht und vor mir platziert. Damit dürfte er den Wurstbudenbesitzer vermutlich in die Insolvenz getrieben haben. Still protestierend teste ich die Schinkenwurst danach noch mit weniger Senf und muss feststellen: Schmeckt trotzdem.

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