27.08.05
Hajduk Split – Cibalia Vinkovci
Stadion "Poljudska ljepotica" Split, Kroatien
autor:
sestom

Nicht, dass der Leser einen falschen Eindruck bekommt, ich liebe Kroatien. Der Urlaub war echt geil. Aber dann war da noch der Samstag Abend in Split.

Hier wird Fußball gespielt und der Zuschauer wird geduldet. So kam uns das heute vor. Die Bedingungen vor Ort dienten als ideelle Grundlage, mal über Vor- und Nachteile des „Drumherum“ bei einem Fußballspiel nachzudenken. Fußballerisch war hier ohnehin nicht viel geboten. Also dann mal los. Es beginnt damit, dass wir gezwungen werden, unsere Wasserflaschen abzugeben, im Stadion gibt es aber nur Cola oder Bier. Angesichts der Temperaturen eher unmenschlich. Dann das Klo. „Jebem ti...“ Mein Tip: Immer vor dem Spiel gehen. Oder so eine Nasenklammer und viiiel Klopapier mitnehmen. Hier war vor 10 Tagen noch ein Länderspiel gegen Brasilien. Seitdem war wohl kein zweibeiniges Individuum mehr im Stadion. Ein Stadionheft ist auch nicht aufzutreiben oder wenigstens eine Aufstellung der Mannschaften. Soviel zu den Nachteilen.

Jetzt die Vorteile: Keinen Stadionsprecher, keine Aufwärmmusik, nur ein bisschen lautlose Werbung auf dem farbigen Monitor. Da gibt es eine Fähre nach Ancona von Split aus. Wohl um die Fans dazuzubewegen, nach dem Spiel möglichst schnell nach Italien zu kommen, um ordentlichen Fußball zu sehen. Man stelle sich vor, bei den Münchener Löwen gäbe es Werbung für den Zoo. Oh, der war schlecht. Das beste Argument für einen Besuch bei Hajduk Split ist jedoch der Eintrittspreis. 20, 40 oder 60 Kuna für eine Karte. Die Dame im Fanshop empfahl uns die für 40, da sitzen nicht so viele Alte, die eh nur rummeckern. Bekamen wir also für umgerechnet sechs Euro einen Platz in der zentralen Gegengerade. Da saßen wir nun und beobachteten die Menschen um uns. Sehr ruhig war es. Außer den ca. 30 gegnerischen Fans war nichts organisiertes zu erkennen. Verzichtet man hier etwa auf Support? Bis zur 40. Minute sieht es tatsächlich so aus. Dann fingen sie doch an, sich rechts von uns zu sammeln. Kann nur eine Protestaktion gewesen sein. Vielleicht hat auch nur der mit der Trommel gefehlt. Dafür ging es jetzt voll ab. Das ganze Programm. Banner, Bengalos, Raketen. Polizei und Feuerwehr schauten ganz gelassen zu. Das nenne ich wahre Deeskalation. Schließlich ging dem Mob der Zündstoff aus, die Feuerwehr beseitigte in aller Ruhe die lodernden Fackeln auf dem Tartan und die Stimmung beruhigte sich. Pause. Es steht 0:0. Pfiffe.

Tatsächlich konnte man in der zweiten Halbzeit hin und wieder richtig guten Fußball erleben. So ungefähr zehn Minuten lang. Also volle Konzentration auf die 65. Minute. Dem Aufsteiger gelang doch glatt die Führung. Zoran Ratkovic war der glückliche. Die Abwehr von Split erinnerte dabei ein wenig an die der deutschen Nationalmannschaft. Dafür warf Hajduk jetzt alles nach vorne und erspielte sich, begleitet vom typischen Schlachtruf „Torcida“, viele hochkarätige Chancen. Versagte aber im Abschluss kläglich. Die knapp 8000 Zuschauer gaben die Hoffnung aber nur teilweise auf. Fünf Minuten vor Spielschluss machten sich auch unsere Nachbarn auf den Weg und versäumten so den Ausgleich durch Kresimir Makarin. Und den Schlusspfiff. Dann ging alles ganz schnell. Keine zehn Minuten nach dem Spielende war das 35000-Stadion ganz leer und abgesperrt. Jetzt gehört das Stadion wieder zwei Wochen den Ratten.

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