04.06.05
FC Augsburg Jahn Regensburg 1:2
Rosenaustadion, Augsburg
autor:
alteheide

 

Das ist jetzt natürlich schon etwas länger her… Obwohl ich nach dem Spiel arg enttäuscht war, dass der FCA den Aufstieg in die zweite Liga knapp verpasst hat, würde ich lügen, wenn ich schröbe, der Schmerz darüber wäre zu tief gesessen für einen zeitnahen Bericht. Alte Wunden und so. Nein, ich hatte nur einen ausgeprägten Apathieschub.

Zum Thema: Halb Augsburg war auf den Beinen an diesem letzten Spieltag der Saison. Die Konstellation war günstig, der Aufstieg zum Greifen nah: Ein Sieg, und nie mehr… Na ja, in dieser Situation entdeckt der Schwabe sein Herz für den Fußball, weil: man könnte ja auf der Gewinnerseite stehen. Das schreibe ich jetzt nur, weil ich schlecht gelaunt bin, und das Haar in der Suppe irgendwie schon immer meins war. Damals, vor einem Monat, wurde mir richtiggehend warm ums Herz, als ich endlich einmal wieder Menschenmassen in die Rosenau strömen sah. Es lag etwas in der Luft, und ich dachte, es handele sich um Fußballfieber.

Interessant ist ja, dass es in Augsburg in den letzten Jahren nie auch nur annähernd so war wie an jenem Tag, nämlich dass ein Heimspiel des FCA von der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen geschweige denn besucht wurde. Letzte Saison, beim Gastspiel des 1. FC Saarbrücken in der Fuggerstadt, war außer den üblichen Unentwegten – Ultras, alte Männer, Sparkassenfilialleiter – kaum jemand da. Dabei wurde Augsburg in den 70er Jahren auch als das Neapel Deutschlands bezeichnet, was den Grad der Fußballverrücktheit in dieser Stadt illustrieren sollte, die sich in einem für damalige (Zweitliga-) Verhältnisse sensationellen Zuschauerschnitt von 23.000 niederschlug. Wo sind denn die Leute geblieben über die Jahre? Kann Misswirtschaft im Verein und daraus resultierender sportlicher Niedergang den Fan davon abhalten, ins Stadion zu gehen? Ist diese Mentalität des Nur-wer-erfolgreich-spielt-hat-mich-als-Zuschauer-auch-verdient innerhalb Deutschlands ein speziell süddeutsches Phänomen? (Man vergleiche den Zuschauerzuspruch in den beiden Regionalligen – wieso kommen zu einem Heimspiel der Stuttgarter Kickers weitaus weniger Menschen als zu, sagen wir mal, Fortuna Düsseldorf?). Korreliert Vereinstreue mit persönlicher wirtschaftlicher Situation? Vielleicht kann mir das irgendein Soziologe sagen... Ich erwarte ja nicht, dass jedes zweite Wochenende die Schwarte kracht, aber ein bisschen mehr als die knapp 3000 Unentwegten sollten es dann doch sein für einen Verein mit dieser Vorgeschichte, in einer 200.000-Einwohner-Stadt.

Die Stimmung im mit 27.000 Zuschauern fast ausverkauften Rosenaustadion ähnelte dann auch eher der einer Leichtathletik-EM, außer dass es einen Gegner bzw. Schiedsrichter gab, den man ungeniert und bar jedes Sachverstandes beschimpfen durfte. Support im eigentlichen Sinne fand kaum statt. Es war halt ein „Event“. Der FCA war anfangs überlegen, hatte einige kleinere Chancen, war aber letztlich nicht zwingend genug, um eine komfortable Führung herauszuspielen. Der Jahn hielt mit einer starken kämpferischen Leistung dagegen. (Kürzlich gab Basler zu, dass Geld vom Konkurrenten aus Siegen geflossen sei). Es dauerte über eine Stunde, ehe die Augsburger in Führung gingen. Überdies war kurz vorher ein Regensburger vom Platz gestellt worden. Im sicheren Gefühl des Sieges(sic!) erwachte das Stadion; es folgten die üblichen LaOla-Versuche, und dann meldeten sich auch schon die ersten „Zweite Liga – Augsburg ist dabei“-Schreier zu Wort. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass es nichts werden würde mit dem Aufstieg. Zudem vergab der FCA zwei große Konterchancen relativ kläglich, und als der Augsburger Stürmer Mark Römer sich zehn Minuten vor Schluss noch durch ein selten dämliches Nachhakeln im Mittelfeld Gelb-Rot abholte, nahm das Schicksal seinen Lauf: Der Ausgleich fiel in der 86. Minute durch einen abgefälschten, im Grunde harmlosen Weitschuss. Die Heimmannschaft hatte nun nichts mehr zuzusetzen, das Publikum erwartungsgemäß auch nicht. Der Regensburger Siegtreffer in der Nachspielzeit tat nichts mehr zur Sache.

So muss man sich in Augsburg ein weiteres Jahr mit der Regionalliga begnügen. Der potente Mäzen und Vorstands-Vorsitzende Walther Seinsch wird nicht wie befürchtet abspringen; Ziel bleibt die 2. Liga. Bleibt nur zu hoffen, dass im nächsten Jahr nicht nur gegen Ende, sondern auch im Verlauf der Saison, an den wirklich wichtigen Spieltagen, wenn es grau und trist zugeht, ein paar Leute mehr als üblich ins Stadion gehen, um „ihren“ FCA zu unterstützen.

Und dass nach einem solchen Spiel, wenn es, wie an jenem 4. Juni, mal nicht so gut gelaufen ist, wieder ein Mensch für uns da sein wird, der sagt: „Kopf hoch, Jungs, jetzt wird erst mal gegessen“. Danke, o Mutter von Ray!

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