24.05.03
1. FC Nürnberg – Bayer Leverkusen
Frankenstadion Nürnberg

autor:
philantrop


Viele Dinge hätte ich an diesem Sommertag machen können, statt in praller Hitze 230 km Auto zu fahren, um mir ein Fußballspiel anzusehen. Ich hätte in der Sonne liegen können, ich hätte eine Freundin besuchen können, ich hätte mit meinem Hund spazieren gehen können oder mit meinem Kater sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Auch ein Badetag oder eine Runde Tretboot fahren wären durchaus denkbare Alternativen gewesen. Ich bin auch überzeugt, daß all das mehr Freude bereitet hätte, als dieses Spiel zu glotzen. Aber da ich die 16 Heimspiele zuvor auch angesehen habe, machte ich die Dauerkarte halt voll. Nächste Saison verpasse ich Spiel sieben oder acht, dann fällt wenigstens der profilneurotische Grund, kein Spiel verpasst zu haben weg. Dieses Heimspiel gegen Bayer Leverkusen machte nämlich nicht im Ansatz Spaß. Daß diese Losertruppe es gewinnt, daran verschwendete ich eh keinen Gedanken. Daß 31.000 Zuschauer kamen, wunderte mich. Daß sich eine Hand voll Spießer in unserem Block 13 direkt hinter uns versammelte, ärgerte mich, weil sie die ganze Saison nicht da standen und sich dann aufregten. Darüber, daß der Club nicht über die Außen spielt und darüber, daß der Zerstörer gegen die Blockabsperrung trat. Solche Leute sollte man zum Kauf von teuren Sitzplatzkarten verpflichten, aber in der zweiten Liga kommen die eh nicht mehr.
Was von dieser Spielzeit dann noch bleibt sind zehn Punkte Abstand zum Nichtabstiegsplatz, eine leblose Mannschaft und die Perspektivlosigkeit des sechsten Bundesligaabstiegs, den es (natürlich denke ich so) nicht gebraucht hätte. Helden hätten sie werden können, am Ende haben sie alle versagt. Auge wird jetzt von anderen Leuten gefeiert, die Kassen sind wieder mal leer, doch der, der es zu verantworten hat, klebt an seinem Stuhl. Der neue Trainer hat bisher alle seine Spiele verloren und will etliche Spieler mit laufenden Verträgen von ihrer Perspektivlosigkeit überzeugen. Hoffentlich schafft er das, denn es sind so viele, die ich nicht mehr sehen kann. Zwei Jahre Bundesliga gingen heute zu Ende, in denen der FCN sagenhafte 64 Punkte sammeln konnte, warum ich mir das antue, weiß ich selbst nicht so genau.
Jetzt gehe ich mit meinem Hund spazieren und gebe dem Kater seine Jubiläumsleberwurst. Ich beneide Oskar und Anton, müssen sie sich doch keine Gedanken über Dinge wie Fußball machen, die sie am Ende eh nicht beeinflussen können.
Bis nächstes Jahr, ich nehme natürlich wieder die Stehplatzdauerkarte, blöd wie ich bin.

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