11.05.03
Karlsruher SC - FC St. Pauli
Wildparkstadion Karlsruhe
autor:
philantrop


Sicher hätte ich auch nach Dortmund fahren können, um den Club endgültig absteigen zu sehen, aber erstens bin ich in einem Alter, wo man beginnen muß, auf seine Gesundheit zu achten und zweitens finde ich Dortmund eh total doof. Ehrlich gesagt kotzt mich der Club derzeit dermaßen an, daß nie die Rede davon war, nach Dortmund zu fahren. Da verbrachte ich mit Ali lieber das ganze Wochenende in Karlsruhe bei der phantastischen Yvonne, was sich mehr als rentierte, auch wenn ich am Samstag erst um 21.00 Uhr vom 1:4 in Dortmund erfuhr. Das konnte mir diesen herrlichen Samstag in Frankreich auch nicht mehr verderben. Der Club war also Nebensache an diesem Wochenende, der Fußball natürlich nicht. Konnte er an diesem Wochenende in Karlsruhe auch gar nicht, mailte mir Yvonne doch schon unter der Woche, daß sie in der Stadt KSC-Plakate aufhängen. Als wir Freitag Nacht in Karlsruhe ankamen, wußten wir sofort, daß sie untertrieben hatte, denn es gab keine rote Ampel, von der einem nicht Bruno Labbadia von einem Plakat angegrinst hat: „Es geht um Alles! KSC-St.Pauli, Sonntag, 15.00 Uhr”. Ein wahnsinniger Werbeaufwand für ein Fußballmatch in der Zweiten Bundesliga; mich hat jedes einzelne Plakat gefreut. Dann kam der Sonntag und der Fußball. Karlsruhe ist eine Stadt, in der viele Studenten in WG’s zusammenleben und ich habe dort immer den Eindruck, daß sich die Menschen Gedanken darüber machen, wie man das Leben in einer Großstadt möglichst streßfrei gestaltet. Was mich dann wirklich verstörte, war die Tatsache, daß Fans des FC St.Pauli an der Straßenbahnhaltestelle eingekesselt und von der Polizei zum Stadion geleitet werden, eskortiert von berittenen Einsatzkräften, einer Knüppelgarde und Bullenkötern, die trotz Maulkorb ein Theater veranstalteten wie im Tierheim. Nur weil einer ein St.Pauli-Shirt trägt, darf er nicht durch den Wildpark laufen, eine Frechheit! Ich bin vollkommen davon überzeugt, daß diese Polizeipräsenz, wie auch die übertriebenen Sicherheits-Doppelkontrollen im Gästeblock so sinnlos war, daß man sich ernsthaft die Frage stellen sollte, ob das Geld nicht an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte. Aber solche Gedanken haben sich andere Leute ja auch schon oft gemacht und es passiert eh nichts. Wenigstens sperrten sie den Sitzplatzblock neben dem Gästeblock auf und ich konnte faul da sitzen und mich mit der zweiten Liga anfreunden. Die Plakataktion hat Früchte getragen und das Spiel konnte wegen des Zuschauerandrangs erst mit Verspätung angepfiffen werden. So sollte es öfter sein. Das Spiel endete vor 19.500 Zuschauern mit 1:1. Der FC St.Pauli wird nun wohl absteigen, was zu einer rund um verkorksten Spielzeit paßt. Der KSC kann wenigstens noch dafür sorgen, daß sie nicht in einer Katastrophe endet. Er soll sein nächstes Heimspiel gewinnen: Gegen Vestenbergsgreuth!

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